Stoppt den Horror – Massentierhaltung

Das Video auf dem YouTube-Kanal der Tierschutzorganisa­tion PETA ist gerade einmal 67 Sekunden lang. Und dennoch reicht es aus, um sich ins Gehirn des Betrach­ters einzubrennen. Es scho­ckiert, wirkt beklemmend – es macht wütend und traurig zu­gleich. Das Video mit dem Ti­tel „Todesangst bei Gasbetäu­bung“ zeigt Schweine vor der Schlachtung, wie sie – einge­pfercht in Käfigen und abge­lassen in eine Gasgrube – die letzten Sekunden ihres Lebens in Todesangst verbringen. Bil­der wie diese sind hierzulande leider keine Seltenheit. Laut PETA werden in Deutschland pro Jahr rund 40 Millionen Schweine von Kohlenstoffdio­xid-Gas betäubt, bevor sie ge­schlachtet werden. Andere Be­täubungsarten – etwa durch Strom – sind nicht weniger grausam. Direkt an die Betäu­bung schließt sich die Tötung durch Entblutung an. Der Bruststich mit einem Messer erfolgt je nach Schlachthof vor oder nachdem die Schweine an einem Hinterbein in die Förderkette eingehängt wer­den. Werden die Blutgefäße beim Stechen verfehlt, ver­längert sich die Zeit des Ausblutens und die Schwei­ne können aus der Betäu­bung wieder erwachen.

Lebensdauer stark verkürzt

Vorgehensweisen wie die am Beispiel ,,Schwein“ zei­gen, welches Leid die Tiere ertragen müs­
sen. Und das nicht nur im letzten Ab­schnitt ihres oft ohnehin kurzen Lebens (ein Mastschwein hat eigentlich eine Lebenserwar­tung von 10 Jahren, als Nutz­tier sind es gerade einmal 6 Monate. Beim Mastrind steht der Lebenserwartung von ca. 25 Jahren eine Lebensdauer von 12 bis 18 Monaten gegen­über). Auch die Lebenszeit ist für die Tiere alles andere als rosig. Dem Stallhorror folgt der Transporthorror, ehe das Leben von Schweinen, Rin­dern und Co. schließlich mit dem Schlachthorror endet. Tierschützer sind sich einig: Dieser Horror muss gestoppt werden!

Viele Tiere sehen kein Tageslicht

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Tiere in Massen­tierhaltung zugenom­men. Viele verbringen ihr Leben in Käfig- oder Anbin­dehaltung, in Ställen ohne Ta­geslicht oder gar in Kastenständen, wie viele Schweine. Muttersauen wer­den in Abferkelbuchten fi­xiert und haben keine Gele­genheit, ein Nest für ihre Fer­kel zu bauen oder sich zu bewegen. In Folge davon wer­den sie krank und leiden. Laut der Albert-Schweitzer­Stiftung leben und sterben al­leine in Deutschland etwa 745 Millionen Tiere pro Jahr in der Massentierhaltung. Viele dieser Tiere werden gewalt­sam den Haltungsformen an­gepasst. Das heißt, es werden etwa Hörner, Ringelschwän­ze oder Schnäbel gekürzt bzw. abgetrennt. Außerdem wer­den die wesentlichen Grund­bedürfnisse der Tiere igno­riert und ihre Bewegungsfrei­heit stark eingeschränkt. Nicht selten sehen Tiere das Tageslicht zum ersten Mal während des Transportes zum Schlachthaus. Um die Tiere trotz unpassender Hal­tung leistungsfähig zu erhal­ten, kommt häufig Antibioti­ka zum Einsatz, was auch Ge­fahr für die menschliche Gesundheit mit sich bringt.

Politik scheut Entscheidung

Schon lange kämpfen Tier­schützer dafür, dass sich an all diesen Zuständen etwas än­dert. So etwa setzte sich der der Deutsche Tierschutzbund seit Jahren schon mit der Kampagne #endpigpain für ein besseres Leben der Schwei­ne ein. Oft leider mit geringem Erfolg. Beispielsweise wurden erst jüngst politische Entscheidungen zum Einsatz der sogenannten Kastenstand­haltung mehrfach vertagt (das Ergebnis einer möglichen Ab­stimmung im Bundesrat stand bei Redaktionsschluss noch aus). Der Gegner im Kampf gegen Massentierhaltung, Lebendtransporte und Co. scheint oft übermächtig. Aber die Tierschützer geben nicht auf!

Kritik an der Fleischindustrie

„Die Fleischindustrie trägt hier die Verantwortung“, bringt es Franz Josef Voll auf den Punkt. Der 65-Jährige aus Usedom ist ein ausgewiesener Kritiker der Fleischindustrie. Und er weiß, wo von er spricht. Voll kennt beide Seiten bestens. Mit 14 Jahren absolvierte er 1969 sei­ne Ausbildung zum Metzger. Später ar­beitete er in mehre­ren Unternehmen, unter anderem an der Fleischthekeemer Kaufhauskette, in einem Schlacht­hof sowie bei riesigen In­dustriebetrieben. Bereits früh lernt er: Es gibt kein schlech­tes Fleisch, es gibt nur Fleisch, das verarbeitet werden muss! ,,Was nicht mehr mit Gewür­zen versetzt oder in Knob­lauch und Öl eingelegt wer­den kann, wird durch den Fleischwolf gedreht und lan­det in der Wurst“, erklärt Voll, der irgendwann nicht weiter die Augen verschließen wollte. ,,Mit Anfang 30 hatte ich das Bedürfnis, die Welt retten zu müssen.“ Er wurde Lebensmittelkontrolleur. Al­lerdings musste Voll feststel­len, dass er in dieser Position nicht in der Lage war, viel zu ändern.

Mit Schweinebande abgerechnet

Da Franz Josef Voll die ganze Situation aber nicht weiter hinnehmen wollte, wechselte er endgültig auf die Seite des Verbrauchers, wurde Under­cover-Journalist und veröf­fentlichte das Buch „Schwei­nebande“ (mit Ko-Autor Leo G. Linder, erschienen im Ludwig Verlag). In seinem Insider-Bericht rechnet er mit einer Branche ab, deren Ma­chenschaften auch dem letz­ten vertrauensseligen Verbrau­cher gehörig den Appetit ver­derben dürften. Denn die Fleischindustrie – da ist sich Voll sicher – bestimmt den Takt. ,,Das fängt bei der Mas­sentierhaltung an und endet bei allem, was in den Ställen passiert“, sagt er. Aus seiner Sicht ist die Massentierhal­tung eine reine Katastrophe: ,,Ich denke hier an die Trans­porte der Tiere und die Verödung der landwirtschaftlichen Flächen“ so Voll. Die Schul­digen hat er für sich bereits ausge­macht: Die Indus­trie, die nur noch Gewinne einfahren will, koste es, was es wolle. Und die Politik, die nur zu gern der In­dustrie den Steigbügel hält. Aber auch der Ver­braucher trägt eine Mit­schuld, ,,da er sich gerne auf­regt, aber immer wieder wei­ter kauft, ohne sich an etwas zu stören“, betont Franz Josef Voll und appelliert: ,,Der Verbraucher sollte kritisch sein und beim Fleischkauf nachfragen.“ Weitere Informationen zum Thema gibt es unter folgen­den Adressen:


 

zdf.de/ dokumentation/ 37-grad/37-tiertransport­grenzenlos-102.html / albert-schweitzer-stiftung.de/ massentierhaltung/schweine/ mastschweine tierschutzbund.de/spenden­portal/spenden/spendenpro­jekte/tiertransport/