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Stiere und Pferde der Camargue

Stephanie Arnaud
Martina Zöllner ist eine Journalistin und Autorin, die auf ihren Reisen in verschiedenen Ländern auch über die lokale Natur und deren Tiere berichtet.
Mit dem Flusskreuzfahrtschiff BIJOU DU RHONEvon Nicko Cruises war ich jetzt eine Woche auf der Rhone unterwegs, lernte in Süd-Frankreich und vor allem in der Camargue Land und Leute kennen. Natürlich habe ich auf meiner Flussschifffahrtsreise mit Nicko Cruises auch das angebotene Ausflugspaket gebucht. Dabei hat mich der angebotene Tagesausflug „Camargue mit Stierfarm“ besonders interessiert. Denn die Camargue ist ja besonders bekannt für:
  •  Die halbwilden schwarzen Stiere und die weißen Camargue-Pferde.
  •  Die Course Camarguaise, eine unblutige Form des Stierkampfes, bei der die „Raseteure“ versuchen, dem Stier Trophäen zu entwenden.
  • Ihre einzigartige Naturlandschaft im Rhône-Delta
Dabei war es für mich besonders wichtig die Zucht und den Umgang mit den Stieren in dieser Region unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes oder der Natur einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, passend zu meinen sonstigen Themen rund den Tierschutz und Wildtieren. Daher bin ich auf meinen Reisen  auch immer gerne für euch in der heimischen Tierwelt unterwegs.

Die korrekte Bezeichnung für die in der Camargue gezüchteten Rinder ist übrigens Camargue-Stier (oder Taureau de Camargue). Die Arbeit auf den Manades (den Stierfarmen) und die tief verwurzelte Tradition der Gardians (der berittenen Stierhirten) sind jedoch ein perfektes Beispiel für das Zusammenspiel von Camargue-Pferden und Stieren. Auf der von mir besuchten Stierfarm hatte ich so die große Freude, Stephanie Arnaud, kennenzulernen. Die gebürtige Kölnerin zog es vor über 30 Jahren in die Camargue und ist dort der „Liebe wegen“  auch geblieben. Und seit dem sich Stephanie nicht nur in ihren Mann sondern auch in die wilden Stiere und heißblütigen weißen Camargue-Pferde verliebt hat, kann sich die symphytische Stierzüchterin aus Leidenschaft kaum noch ein anderes Leben vorstellen. Und gerne gab sie mir daher auch ein Interview, das ich euch hier eingestellt habe und in dem Stephanie mir gegenüber aus dem Nähkästchen plauderte.

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Weitere Informationen

Camargue-Stiere und  Camargue-Pferde: Ein unzertrennliches Team

Die weißen Camargue-Pferde und die schwarzen Camargue-Stiere leben dort in Halbfreiheit in den weiten Sumpflandschaften und sind die Ikonen dieser Region.
1. Die Rolle des Camargue-Pferdes:
Das Camargue-Pferd ist robust, trittsicher und besonders wendig. Es ist perfekt an die Bedingungen der Sumpflandschaft angepasst und unerlässlich für die Arbeit der Gardians.
Der Arbeitspartner: Die Gardians reiten auf diesen Pferden, um die Stierherden (die Manades) zu betreuen, zu treiben und zu sortieren (tri de taureaux). Das Pferd muss schnell auf die Bewegungen des Stiers reagieren können.
Ausrüstung und Reitweise: Die Gardians verwenden einen speziellen Sattel und reiten traditionell einhändig. Die andere Hand bleibt frei für den Trident (Dreizack), das traditionelle Arbeitsgerät, um die Stiere zu lenken.
2. Die Rolle des Camargue-Stiers:
Die Camargue-Stiere (Taureaux de Camargue oder Raço di Biou) sind dunkel, schnell und werden hauptsächlich für unblutige Stierspiele gezüchtet.
Zucht in Halbfreiheit: Die Stiere leben die meiste Zeit in freier Wildbahn, um ihren wilden Charakter zu bewahren. Sie werden nur für die Arbeit und die Rennen von den Gardians zusammengetrieben.
Der Cocardier: Die berühmtesten Stiere, genannt Cocardiers, sind die „Stars“ der Course Camarguaise (Camargue-Rennen), einem unblutigen Wettkampf, bei dem Männer (Raseteurs) versuchen, Trophäen (Kokarden, Quasten) von den Hörnern des Stiers zu entfernen. Der Stier stirbt bei diesem Rennen nicht.
3. Traditionelle Zusammenarbeit auf der Manade:
Die Verbindung zwischen Pferd und Stier wird bei folgenden traditionellen Ereignissen am deutlichsten:
Le Tri (Sortieren) Das Selektieren und Sortieren einzelner Stiere aus der Herde, z.B. für die Markierung (Ferrade) oder den Transport. Die Gardians nutzen die Wendigkeit ihrer Pferde, um die Stiere mit dem Trident von der Herde zu trennen und zu isolieren (das zeige ich euch auch in meinem Video)
La Ferrade (Brandmarken) Das traditionelle Brandmarken der Kälber, meist im Frühling, um die Zugehörigkeit zur Manade zu kennzeichnen.  Die Gardians treiben die jungen Stiere vom Pferd aus zusammen und halten sie fest, während sie markiert werden. Oftmals ein touristisches Spektakel.
L’Abrivado (Antreiben)  Das Antreiben der Stiere von den Weiden in die Arena des Dorfes für ein Fest oder Rennen. Die Gardians umrahmen die Stierherde mit ihren Pferden, um zu verhindern, dass die Stiere entkommen und sicher durch die Straßen treiben.
La Bandido (Freilassen)  Das Zurückführen der Stiere von der Arena auf die Weide.  Wieder begleiten die berittenen Gardians die Stiere, um sie sicher nach Hause zu bringen.
Diese Traditionen sind nicht nur Teil der landwirtschaftlichen Arbeit, sondern auch ein kulturelles Erbe der Camargue, das bei Dorffesten und auf den Manades für Besucher zugänglich gemacht wird. Sie spiegeln eine jahrhundertealte Lebensweise wider, in der der Mensch, das Pferd und der Stier im Einklang mit der wilden Natur der Camargue leben.
Solltet ihr noch weitere Fragen zur Course Camarguaise haben oder möchtet ihr wissen, wo man diese Traditionen erleben kann?
Dazu habe ich euch noch einige Infoseiten hier verlinkt: